Mittwoch Nachmittag. Die Mensa ist gefüllt mit Schülern und ein paar Lehrern. Die gespannten Blicke sind zur Bühne gerichtet. Denn dort sitzen die Spitzenkandidaten von vier Parteien, echte Politiker verstrickt in eine heiße Diskussion. Das Thema: Ist die Soziale Marktwirtschaft noch sozial genug? Podiumsdiskussion am THGDie Soziale Marktwirtschaft ist die Wirtschaftsform, die wir offiziell in Deutschland vertreten und dementsprechend unter anderem auch Thema des Gemeinschaftskundeunterrichts der zehnten Klassen. Jedoch stellt sich aktuell immer öfter die Frage, ob die soziale Marktwirtschaft überhaupt noch sozial genug ist. Die Meinungen gehen dabei sehr stark auseinander. Um eine eigene Position beziehen zu können, sollte man Zugang zu möglichst vielen Argumenten haben; am besten von verschiedenen Personen, noch besser direkt von richtigen Politikern. Schließlich sollten diese sich in ihrem Fach ja gut auskennen. Diese Möglichkeit bot sich am 24. Mai 2017 den Zehntklässlern sowie einiger Oberstufenschüler des THGs im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Unter der Leitung der drei Moderatoren Simon Leisinger (10a), Florian Karle (10c) und Matthias Kolep (10c) diskutierten Armin Schuster (CDU), Jonas Hoffmann (SPD), Gerhard Zickenheiner (Bündnis 90/Die Grünen) und David Trunz (die Linke) über diese kontroverse Fragestellung. Nach der Eröffnung und der Begrüßung durch die Moderatoren folgte eine kurze Vorstellungsrunde der Kandidaten. Diese nannten unter anderem ihre grundsätzlichen politischen Ziele, sodass die Schüler schon mal einen kleinen Eindruck der verschiedenen Parteien bekommen konnten. Gleich zu Beginn der Diskussion wurden die unterschiedlichen und auch gegensätzlichen Meinungen der Spitzenkandidaten deutlich. Chancengleichheit sowie soziale Gerechtigkeit galten hierbei als ein sehr wichtiger Punkt, die Definitionen, die festlegen worum es dabei überhaupt geht, gingen dabei jedoch teils stark auseinander. So regte Armin Schuster zum Nachdenken an, indem er die Leitfrage der Diskussion einfach mal umdrehte. Ist die Soziale Marktwirtschaft zu sozial? Das führte zu einem heftigen Austausch verschiedener Meinungen und Argumenten, die durch Beispiele und Statistiken veranschaulicht wurden. Woraufhin auch gleich eine Frage aus dem Schülerpublikum aufkam, die zu einer starken Diskussionsrunde bezüglich des Arbeitlosengeldes Hartz IV, Armut, der Frauenquote und weiteren sehr aktuellen Themen führte. In der anschließenden Fragerunde konnten einige Schüler ihre Fragen, die sie zum Großteil bereits im Unterricht vorbereitet hatten, direkt an die Spitzenkanditaten stellen. Die Themen gingen dabei von demokratischen Schulen und dem Militär über Gerechtigkeit sowie Wirtschaft, bis hin zur Legalisierung von Cannabis. Zu jeder Frage lieferten sich die Politiker einen Schlagabtausch, bei dem es nicht selten zu sehr hohen
Spannungen unter den Beteiligten kam. Das wiederum trug oftmals zum Amusement der Zuschauer bei.
„Solche Konfliktsituationen waren sehr lustig, aber gleichzeitig auch informativ. Dabei war auch interessant, dass selbst Politikern dennoch nicht immer sofort die überzeugensten Argumente einfallen“, sagte eine Zehntklässlerin nach der Diskussion. Die Fragestellungen der Schüler waren sehr konkret und brachten den einen oder anderen dann doch einmal in die Bredouille. Antworteten die Politiker ausweichend oder nicht ganz konkret, wies ein Moderator sehr charmant darauf hin, dass er sich bitte kurz halten möge, wenngleich ihm das in diesem Berufsfeld möglicherweise nicht ganz leicht falle. Drohte eine Diskussion auszuarten, sorgten die Moderatoren zudem gekonnt für die nötige Ordnung. Sie selbst wirkten zwischen den Fronten entspannt. „Man musste nur darauf achten, dass die Beteiligten beim Thema bleiben“, so Matthias Kolep.
Wenngleich einige Zuschauer zuvor nicht gewusst hatten, was sie zu erwarten hatten, zeigten sie sich im Anschluss positiv. So auch Schüler mit niedrigeren Erwartungen. „Es war viel spannender als ich gedacht habe und ich interessiere mich jetzt auch ein bisschen mehr für Politik“, meinte eine Zuschauerin.

Insgesamt hatten die meisten Schülerinnen und Schüler einen guten Eindruck von der Podiumsdiskussion und auch umgekehrt gab es Lob der Spitzenkandidaten für das Politikinteresse der Zuschauer. Diese waren sich im Großteil darüber einig, dass der Tag sehr lehreich war. Gerade, weil man die Chance hatte persönlich bei einer derartigen Diskussionsrunde dabei zu sein, konnte man selber einen Einblick davon bekommen, wie Politik funktioniert. Dabei konnten zahlreiche neue Erfarungen gesammelt werden, die teils auch im Hinblick auf die eigene Zukunft nützlich sein dürften.

(Text: Friederike Maß 10c; Bild: Allegra Walino)