Mit dem Mountainbike über die Alpen – der Seminarkurs des THG
Was im Frühjahr 2025 als Idee auf einem Blatt Papier begann, wurde im Juni 2026 Wirklichkeit: 15 Schülerinnen und Schüler des THG machten sich zusammen mit drei Lehrkräften und vier Begleitpersonen mit dem Mountainbike auf den Weg über die Alpen – von Winterthur in der Schweiz bis nach Domaso am Comer See. Die eigentliche Radtour war dabei nur der sichtbare Abschluss eines rund einjährigen Projekts, das die Teilnehmenden von der ersten Konzeptidee bis zur letzten Etappe komplett selbst verantwortet haben.
Projektorientiertes Arbeiten als zentrales Lernziel.
Der Seminarkurs Alpen war von Beginn an als projektorientierter Kurs angelegt: Die Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur eine sportliche Herausforderung meistern, sondern lernen, ein komplexes, langfristiges Vorhaben eigenständig zu planen, zu organisieren und umzusetzen – von der Finanzierung über die Routenplanung bis zur Logistik vor Ort. Genau dieser Prozess, mehr noch als das sportliche Ergebnis, stand im Zentrum des Kurskonzepts.
Die Vorbereitung: ein Jahr im Projektmodus
Seit September 2025 hatte der Seminarkurs weit mehr zu leisten als klassischen Unterrichtsstoff. In Eigenregie akquirierten die Teilnehmenden Sponsoren, planten die Route, buchten Unterkünfte und organisierten die gesamte Logistik der Tour. Parallel dazu verfassten sie wissenschaftliche Hausarbeiten und bereiteten sich mit regelmäßigen Trainingsfahrten körperlich auf die Belastungen der Tour vor.
Die Finanzierung von rund 10.000 Euro wurde größtenteils selbst erarbeitet: durch die gezielte Ansprache lokaler Unternehmen und die Teilnahme am Wettbewerb „SpardaImpuls“ der Sparda-Bank. Für die Routenplanung nutzte der Kurs eine von Komoot bereitgestellte Premium-Lizenz. Ergänzt wurde die Vorbereitung durch Teambuilding-Maßnahmen wie eine gemeinsame Kletterpartie, mit der die Gruppe gezielt auf die gemeinsame Projektarbeit unter freiem Himmel vorbereitet wurde. Ein besonderer Dank gilt der Firma EKATO, die uns sowohl finanziell als auch materiell mit tollen Trikots unterstützt hat.
Am 20. Juni 2026 war es schließlich so weit: Mit dem Zug ging es nach Winterthur, von wo aus am nächsten Morgen die eigentliche Alpenüberquerung startete – bei Temperaturen von teils über 35 Grad.
Sechs Etappen über die Alpen
| Tag 1 – Winterthur |
Der Auftakt geriet anspruchsvoller als gedacht: steile Anstiege, zahlreiche Kühe samt ihren Hinterlassenschaften, ein wenig begeisterter Schweizer Bauer sowie die ersten Stürze und ein Platten prägten den Tag. Die Gruppe erreichte ihr Ziel erschöpft, aber stolz auf die erste bewältigte Etappe. | |
| Tag 2 – am Walensee |
Mit besserem Rhythmus ging es entlang des Walensees zügig voran. Ein kleinerer Sturz mit verbogenem Schaltritzel, ein zweiter Platten und eine ausgehängte Kette sorgten für Abwechslung. Schon an diesem Tag zeigte sich, wie wichtig die vorab organisierte logistische Unterstützung durch das Begleitteam für den reibungslosen Ablauf war. | |
| Tag 3 – Richtung Chur |
Nach einem frühen Start entlang des Rheins folgte der erste wirklich harte Anstieg: zwölf Kilometer mit rund 1.000 Höhenmetern. Mit insgesamt 65,4 Kilometern und 1.410 Höhenmetern war es eine der fordernderen Etappen, belohnt durch beeindruckende Ausblicke. | |
| Tag 4 – zur Alm |
Der Aufstieg zur Alm wurde von der Gruppe schnell zum „Berg des Tages“ erklärt. Zwischen Erschöpfung, einer Schwimmpause am See und einer ersten Begegnung mit Murmeltieren (liebevoll „Muskeltiere“ getauft) erreichte die Gruppe nach knapp 1.800 Höhenmetern die Almhütte. Der Abend mit Schweizer Raclette bildete einen der Höhepunkte der Tour. | |
| Tag 5 – der „Wald des Schreckens“ |
Mit 42,5 Kilometern und 1.200 Höhenmetern war dies die technisch anspruchsvollste Etappe. Ein als „fahrbar“ ausgewiesener Trail entpuppte sich als kaum bezwingbar, ein Hindernis aus Holzstapeln wurde per Menschenkette überwunden, und am höchsten Punkt der gesamten Tour auf 2.354 Metern zeigte sich die Anstrengung auch an ersten Erschöpfungserscheinungen. Die lange Abfahrt ins Tal rundete einen ereignisreichen Tag ab. | |
| Tag 6 – Ankunft am Comer See |
Nach einer entspannten Abfahrt und rund 40 flachen Kilometern durchs Tal erreichte die Gruppe bei sommerlicher Hitze schließlich Domaso am Comer See. Nach der Verabschiedung vom Begleitteam wurde mit kühlen Getränken, einem Abkühlen am See und gemeinsamem Pizzaessen gefeiert. Ein Gewitter über dem See setzte am Abend einen stimmungsvollen Schlusspunkt unter die Tour. |
Die Tour in Zahlen
| ~350 km Strecke |
> 5.000 m Höhenmeter |
6 Etappen |
2.354 m Höchster Punkt |
Comer See Ziel |
Fazit: Was aus dem Projekt bleibt
Im Rückblick der begleitenden Lehrkräfte zeigt sich, dass das Kursziel erreicht wurde: Die Schülerinnen und Schüler haben ein anspruchsvolles Projekt von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung selbst getragen. Sie haben Sponsoring, Finanzplanung, Routenorganisation und die Logistik vor Ort verantwortet und dabei Kompetenzen erworben, die weit über normalen Unterricht im Klassenzimmer hinausgehen: eigenverantwortliches Planen, Organisieren unter Unsicherheit, Umgang mit Rückschlägen und die Fähigkeit, ein langfristiges Vorhaben gemeinsam im Team zu Ende zu bringen.
Auch abseits des Projektmanagements hat die gemeinsame Tour die Gruppe zusammengeschweißt: In Krisenmomenten halfen sich alle gegenseitig, und auf dem Berg verschwammen zeitweise die gewohnten Rollen aus dem Klassenzimmer. Im Mittelpunkt des Rückblicks steht für die begleitenden Lehrkräfte jedoch vor allem, wie viel Eigenverantwortung, Organisationstalent und Durchhaltevermögen der Kurs bei allen Beteiligten sichtbar gemacht hat.
Am Ende stand große Anerkennung für die Leistung aller Teilnehmenden – verbunden mit besonderem Dank an das Begleitteam, das die Tour im Hintergrund mit Verpflegung, Materialtransport und technischer Unterstützung erst ermöglichte.
Ob der Seminarkurs Alpen damit sein Ende gefunden hat oder eher einen Anfang markiert, bleibt am THG mit Spannung abzuwarten.












