„We drove the alps“ oder: ein Abschluss – und ein Anfang?

Als wir im Frühjahr 2025 die ersten Ideen für diesen Seminarkurs entwickelten, war uns eines klar: Das sollte kein gewöhnliches Schulprojekt werden. Was wir damals noch nicht wissen konnten, wie sehr es uns alle, Schülerinnen und Schüler genauso wie uns als Lehrkräfte, verändern würde.

Seit September 2025 habt ihr nicht einfach einen Kurs besucht. Ihr habt Sponsoren angeschrieben, Routen geplant, Hütten gebucht, wissenschaftliche Hausarbeiten verfasst und euch Woche für Woche auf den Trainingsfahrten vorbereitet (wenn vielleicht auch nur geistig). Ihr habt lokale Unternehmen von eurem Vorhaben überzeugt. Und dann, nach all dieser Vorbereitung, sind wir tatsächlich losgefahren. Mit dem Mountainbike. Über die Alpen. Bei 35 Grad.

Der erste Tag war dabei eine Lektion in Sachen Erwartungsmanagement. Die Route entpuppte sich als deutlich anspruchsvoller als gedacht, und die Frustration war spürbar. Aber auch das war ein Lernmoment: Gemeinsam haben wir die Strecke nochmal genau unter die Lupe genommen, angepasst, was angepasst werden musste, und sind am nächsten Tag besser vorbereitet losgefahren. Und natürlich fiel dabei bereits am ersten Tag mindestens eine Lehrkraft vom Fahrrad. Wir wollten eigentlich Vorbild sein 😅🙈

Was uns auf dieser Tour am meisten bewegt hat, war nicht die Strecke selbst, so beeindruckend sie war. Es waren die Menschen, die sie gegangen sind, und wie sie miteinander umgegangen sind, gerade dann, wenn es schwierig wurde. Ein besonders ehrlicher Moment kam bereits an Tag zwei. Die Stimmung kippte, es gab Reibung, und die Kommunikation lief nicht so, wie sie hätte laufen sollen. Das lag nicht nur an euch. Auch wir als Lehrkräfte haben an diesem Tag Fehler gemacht, und das war im Nachhinein vielleicht das Ehrlichste an der ganzen Situation. Was dann passierte, hat uns trotzdem, oder gerade deshalb, beeindruckt. Ihr habt das selbst in die Hand genommen. Gesagt, was gesagt werden musste, zugehört, weitergemacht. Genau solche Momente sind es, die diesen Kurs unserer Meinung nach auszeichnet, und das kein Klassenzimmer der Welt so erzeugen kann.

Als das große Gejammer einsetzte, und das tat es auf Tag 4 bei fast 1800 Höhenmetern mit einer gewissen Zwangsläufigkeit, haben wir als Begleitteam das mit dem nötigen Abstand und einem stillen Lächeln beobachtet. Das Essen war falsch, die Strecke zu lang, die Unterkunft zu weit, alles grundsätzlich zu viel. Wir wussten, was kommt. Und tatsächlich: Als wir oben ankamen, auf 2178 Metern, waren die Gesichter, die uns anschauten, strahlend. Zufrieden. Stolz. Das Gejammer war (fast) vergessen, als wäre es nie gewesen. Das Essen auf der Hütte war plötzlich das beste der Woche (zumindest für die meisten).

Es gab Momente, die keiner von uns geplant hatte und die wir trotzdem nie vergessen werden. Die Murmeltiere, die spontan "Muskeltiere" getauft wurden, ein Name, der sich erstaunlich schnell durchsetzte. Das Schweizer Raclette auf der Almhütte, bei dem aus dem Abendessen eine Diskussionsrunde über Gott, die Welt und legendäre alte Klassenarbeiten wurde. Dann kam Tag 5 mit dem sogenannten "Wald des Schreckens", der laut Karte als fahrbar eingestuft war. Wir erinnern uns alle noch genau daran, wie diese Einschätzung vor Ort aufgenommen wurde: schweigend, keuchend, schiebend, vielleicht auch etwas fluchend. Und danach wartete noch der Septimerpass, mit der großen taktischen Frage der gesamten Tour: Ob die Schiebepausen wirklich Kräfte sparten. Die Theorie klang überzeugend, kurz vom Sattel, Beine ausschütteln, Puls senken. Die Praxis sah so aus, dass man ein vollbeladenes Mountainbike einen steilen Schotterhang nach oben schob, während die Sonne von vorne brannte. Ob das erholsamer war als Fahren, darüber gehen die Meinungen bis heute auseinander.

Und dann war da noch der letzte Tag. Die Route sah auf dem Papier vergleichsweise harmlos aus, und eigentlich lagen Ziel und Cocktail am Comer See zum Greifen nah. Was die Karte nicht verriet, war die unbarmherzige Hitze, durch die sich alle noch einmal durchbeißen mussten. Die letzten zehn Kilometer fühlten sich an wie zwanzig. Aber genau das war vielleicht das passende Ende: kein einfaches Ausrollen, sondern ankämpfen bis zur letzten Kurve. Und dann das Gewitter über dem Comer See am Abend, das den Himmel in eine eigene Lichtshow verwandelte. Besser hätte es kein Drehbuchautor hingeschrieben.

Was bleibt, ist etwas, das sich im normalen Schulalltag kaum herstellen lässt. Im Klassenzimmer stehen wir vorne, ihr sitzt, buchstäblich. Es gibt Rollen, Strukturen und eine klare Trennung. Auf dem Berg gibt es das nicht. Wenn alle schieben, schieben alle. Wenn einer nicht mehr kann, hilft der Nächste, egal ob Schüler oder Lehrkraft. Wir haben euch in Momenten echter Erschöpfung erlebt, und ihr uns in Momenten, in denen wir selbst nicht mehr so genau wussten, ob die Route wirklich eine gute Idee war. Diese Woche hat zwischen uns eine Vertrautheit entstehen lassen, die weit über das hinausgeht, was ein Schuljahr gemeinsam leisten kann. Das ist vielleicht das größte Geschenk, das dieses Projekt uns allen gemacht hat.

350 Kilometer, über 5000 Höhenmeter, sechs Etappen, Winterthur bis Domaso. Und am Ende: Füße im Comer See, ein Cocktail in der Hand und das gemeinsame Wissen, etwas geschafft zu haben, das vor ein paar Monaten noch eine Idee auf einem Blatt Papier war.

Wir sind stolz auf euch. Auf jeden Einzelnen von euch.

Ein herzliches Dankeschön gilt unserem Begleitteam, das im Hintergrund Außergewöhnliches geleistet hat. Ohne ihre Unterstützung wäre diese Tour in dieser Form schlicht nicht möglich gewesen. Ebenso danken wir allen Sponsoren, besonders Ekato für die Unterstützung.

Und wer weiß, vielleicht ist das hier nicht das Ende des Seminarkurses Alpen am THG, sondern erst der Anfang.

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